Erster Tag des Jahres 2023
Ein neues Jahr hat begonnen – und man könnte durchaus der Ansicht sein, dass sich die Menschen (in Deutschland) nach diesem neuen Jahrbeginn gesehnt haben, denn sie haben wie wild Feuerwerkskörper in den Stunden vor und nach dem Jahreswechsel in den Himmel geschickt und auch auf dem Boden gezündet. (Wobei es diesmal weniger Knall- und mehr Lichteffekte gab.)
Sie wollten scheinbar mit aller Macht die Sorgen des Jahres 2022 vertreiben:
- das 3. Jahr der Corona-Pandemie,
- den Krieg in der Ukraine,
- das vollständige Fehlen der Gaslieferungen aus Russland und
- die hohe Inflation der letzten Monate, welche die Preise für Produkte des täglichen Bedarfs deutlich ansteigen ließ.
Von der sich mit immer deutlicheren Zeichen ankündigenden Klimakatastrophe ganz zu schweigen, welche die meisten Menschen zu ignorieren scheinen …
Besorgt oder hoffnungsfroh in die Zukunft?
Noch wissen die Menschen nicht, ob die Zuversicht von Christian Drosten in Bezug auf ein Ende der Corona-Pandemie im Jahr 2023 berechtigt ist. Noch wissen die Menschen nicht, ob der Krieg in der Ukraine durch einen Sieg des angegriffenen Landes beendet werden kann oder doch noch eine Ausweitung der Kriegteilnehmenden befürchtet werden muss. Noch wissen die Menschen nicht, ob das Wetter in den ersten Monaten des Jahres 2023 dabei helfen wird, dass die vorhandenen Gasspeicherstände und die angekündigten Gaslieferungen ausreichend sein werden. (Auch wenn die Tage zum Jahreswechsel reihenweise neue Rekorde bei den wärmsten Dezember- und Januar-Tagen gebracht haben.) Noch wissen die Menschen nicht, ob die in den letzten Monaten hohe Inflationsrate weiterhin erhalten bleibt. Noch wissen die Menschen nicht, ob wir das Ruder hart und lang anhaltend herumreißen werden, um die Erderwärmung in den kommenden Jahrzehnten auf unter +1,5°C zu begrenzen.
Doch es bestehen gute Gründe für Hoffnung:
- Die Zahl der Corona-Erkrankungen ist in diesem Winter im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren deutlich zurückgegangen; andere Erkrankungen halten nun die im Gesundheitsdienst arbeitenden Menschen weiterhin auf Trab.
- Die Waffenlieferungen und Finanzzusagen der westlichen Länder (insbesondere der USA) an die Ukraine sowie deren Geländegewinne bei der Rückeroberung der eigenen Gebiete lassen einen Sieg Russlands immer unwahrscheinlicher werden. Einige meinen sogar, dass die Ukraine in diesem Jahr den Krieg durch einen Sieg beenden könnten.
- Die Gasspeicher sind in Deutschland gut gefüllt. Das erste LNG-Terminal ist bereits in Betrieb genommen, weitere Terminals werden demnächst ihr Arbeit aufnehmen können. Die ersten Schiffe mit verflüssigtem Gas sind zudem bereits entladen worden. Eine Gasmangellage wird immer unwahrscheinlich, auch wenn Einsparungen beim Gasverbrauch nach wie vor notwendig sein werden.
- Nur bei den Maßnahmen, die schnell und effektiv unseren CO2-Ausstoß begrenzen könnten (wie etwa ein Tempolimit auf den Autobahnen oder in den Innenstädten und ein deutschlandweites kostengünstiges Nahverkehrsticket) sind nach wie vor nicht in Sicht. (Das angekündigte 49-Euro-Ticket ist gut für die zentrumsnahen Pendler, aber kein Angebot für alle, vor allem nicht für einkommensschwache Personen / Familien.)
Es ist also durchaus möglich und auch wahrscheinlich, dass wir in diesem Jahr einige große Probleme in den Griff bekommen, so dass wir dann dem generationenübergreifenden Problem Nr. 1 die volle Aufmerksamkeit (endlich!) zukommen lassen können: die Klimakatastrophe!