Ausreden
Ist das nicht schön, wenn der Dienstleisters eines Kunden anruft und sagt:
Wissen Sie, mehr können wir da nicht machen. Automatisch (sic!) läßt sich das Ganze nicht besser gestalten. Und für die vielen manuellen Anpassungen will der Kunden die Kosten nicht übernehmen.
Es geht mal wieder um mein Lieblingsthema: barrierearme PDF!
Der Behindertenbeauftragte eines nicht gerade kleinen Bundeslandes berichtet in einer PDF-Datei über seine Arbeit in einem bestimmten Bereich. Diese Datei soll, sobald die Arbeiten an ihrer Barrierearmut abgeschlossen sind, der Öffentlichkeit auf der Homepage zur Verfügung gestellt werden. Das Dokument ist sehr unfangreich (mehr als 70 Seiten) und war in der 1. Fassung mit etlichen "Fallen" gespickt.
Also habe ich dem Mitarbeiter des Behindertenbeauftragten eine entsprechend lange Fehlerliste als Antwort geschickt.
Nun rief der Dienstleister an und meinte, an bestimmten Stelle können nicht korrigiert werden, da der Kunde die dafür notwendigen zeitintensiven manuellen Arbeiten (wahrscheinlich) nicht bezahlen werden.
Der notwendigen manuelle Aufwand ist klar erkennbar: Zeitungsartikel, die einfach nur als (Bild-)Scan in die PDF eingebunden wurden, können so weder von Blinden noch von Sehbehinderten vernünftig wahrgenommen werden. Man müßte die Artikel durch eine OCR-Software jagen und den Text entsprechend einbinden. Da aber Zeitungsartikel aufgrund des verwendeten Papiers und der billigen Tinte kaum vernünftigen mit einem Scanner erfaßt werden können, müßte das Ganze also zeitaufwendig abgetippt werden. Hierfür will natürlich niemand "die Rechnung begleichen".
Es wird also wahrscheinlich wieder die (unbefriedigende) "Billig-Lösung" gewählt:
Der Abschnitt mit den Zeitungsartikel wird aus dem PDF entfernt und als separates nicht-barrierefreies PDF-Dokument angeboten.
So kann man es natürlich machen, helfen wird es den Betroffenen in keiner Weise und barrierefrei(er) wird man dadurch ganz bestimmt nicht!