Mein Weg in das Fediversum
In Vorbereitung auf das letzte Barcamp in Hannover im Jahr 2019 habe ich mich auf der neu eingerichteten Mastodon-Instanz barcamp.social angemeldet.
Von diesem Fediversum mit seinen zahlreichen Diensten hatte ich zwar schon das ein oder andere aufgeschnappt, aber worauf ich mich da einließ, wusste ich zu Beginn nicht. Und das es eines Tages als Alternative zum etablierten Twitter angesehen würde, erst recht nicht.
In der heißen Phase der Corona-Pandemie hatte ich gehofft, dass sich bei barcamp.social einiges langsam aber kontinuierlich entwickeln würde; aber bis auf wenige Accounts, die scheinbar kaum etwas "trööten" wollten, war mehr oder minder tote Hose. Also dachte ich mir: "Prima, dann kannst du dich ja hier austoben!"
Ich bot auch an, mich an den Kosten für diese Instanz zu beteiligen, erhielt dazu aber keine Antwort. Auch meine Bitte, doch die Software auf den neusten Stand zu bringen, um das Bearbeiten von "Trööts" voranzutreiben, wurde erst nach einiger Zeit – zu meiner vollsten Zufriedenheit – vom Admin umgesetzt.
Als vergangene Woche die Gerüchte immer lauter wurden, dass E·lon den blauen Vogel nun doch unter seine Kontrolle bringen wolle, merkte ich plötzlich wie die Aktivitäten auf den "benachbarten" Mastodon-Instanzen plötzlich deutlich anstiegen … Nachdem die Übernahme am Freitag Morgen (28.10.2022) offiziell bestätigt wurde, nahm das "Getrööte" wuchtig seine Fahrt auf!
Wie geht es weiter?
Noch habe ich einen Twitter-Account, wie die meisten, die sich neu oder wieder Fediversum herumtreiben. Aber bereits in den vergangenen Tage konnte ich schon viele Nutzer:innen bei Mastodon entdecken, die "rübergemacht" haben, und es scheinen täglich mehr zu werden.
Doch ich lese auch die ersten, die ihre Daten beim blauen Vogel sichern und den Account auf das Löschen vorbereiten. Einige sind sogar diesen konsequenten und finalen Schritt gegangen. Ich für meinen Teil scheue noch davor zurück, würde ich doch etliche Informationsquellen zurücklassen müssen, ohne zu wissen, ob diese jemals wieder im Fediverum wiederzufinden sein werden.
Auf der anderen Seite habe ich mir ein zeitliches Limit gesetzt: Bis zum Ende des Jahres beobachte ich die Entwicklung weiter und hoffe dabei, dass ich möglichst viele mitziehen kann. Aber manchmal ist so ein radikaler Schritt das Ende mit Schrecken anstatt Schrecken ohne Ende beim "kackbraunen Hetzvogel" weiterhin erdulden zu müssen …
Die Entwicklung bei Twitter sieht für mich wie eine düstere Untergangsdoku aus: Diejenigen, welche bisher an der Spitze des Unternehmens standen, werden direkt nach der Übernahme durch E·lon entlassen. Weitere Verantwortliche kündigen Ihren Rücktritt von ihren Positionen an. Zeitlich soll etwa 1/2 der Mitarbeitenden entlassen werden; die Moderation der Beiträge wird offensichtlich radikal runtergefahren und auf das Notwendigste beschränkt. Auch Werbepartner ziehen sich vorübergehend, vielleicht sogar komplett zurück.
Wie man sich wohl bei Nokia oder Blackberry gefühlt haben muss, als das iPhone (und später die vielen Android-Hersteller) die Stellung als dominierende Marke bei den Endgeräten für Mobilfunk übernommen haben?